Kontakt

Postanschrift

  • Stadtverwaltung Nordhausen, Stadtarchiv
  • PF 100663
  • 99726 Nordhausen

Dienstanschrift

  • Stadtverwaltung Nordhausen, Stadtarchiv
  • Markt 15, Neues Rathaus
  • 99734 Nordhausen

Öffnungszeiten

Montag 8.30-12.00 Uhr, Dienstag 8.30-12.00, 13.00-15.30 Uhr, Mittwoch geschlossen, Donnerstag 8.30-12.00, 13.00-18.00 Uhr, Freitag n.V.

Archivleiter/in

Dr. Wolfram G. Theilemann


  • ca. 1.115 lfm; ca. 35.500 VZE.

    Bestand

  • (um 900) 1158-2015

    Laufzeit


Archivgeschichte

Die Anfänge des Nordhäuser Stadtarchivs sind im 13. Jahrhundert anzunehmen,. Die Statuten von 1350 sprechen vom „gewelbe, da die privilegia ligen“ im Rathaus, wo noch bis ins späte 19. Jahrhundert das Archiv untergebracht war. Doch war bis ans Ende der Reichsfreiheit 1802 die Grenze zwischen Archiv und Kanzlei, die in ihrer Registratur neben aktuellem Schriftgut auch längst archivreife Unterlagen aufhob, schwer zu bestimmen. Wie vielerorts war auch hier das Archiv bis ins 18. Jahrhundert ein Stiefkind der reichsstädtischen Verwaltung.
Auf Anforderung der preußischen Provinzialregierung und im Auftrag des Magistrats fertigte 1841 der Gymnasialprof. Dr. Ernst Günther Förstemann, seit 1816 am Gymnasium seiner Vaterstadt tätig, ein erstes Verzeichnis der kaiserlichen und königlichen Urkunden und der Amtsbücher, gebundenen Akten und Handschriften an. Ein umfangreiches, noch erhaltenes Repertorium stellte er 1858 fertig. Das Interesse Förstemanns, seiner wenig oder nur kurz wirksamen Nachfolger Dr. Theodor Perschmann und Dr. May Heyse, vor allem aber der Heimatforscher Dr. Richard Rackwitz und Karl Meyer sowie des von 1890 - 1893 als ehrenamtlichen Archivars wirkenden Paul Oßwald war vornehmlich auf die älteren Urkunden gerichtet. Letzterer verpackte erstmals den systematisch geordneten Urkundenbestand in Schutzumschläge und versah diese mit Regesten und Datierung. Seine Absicht, auch die schon lange fällige Repertorisierung der älteren, reichsstädtischen Aktenbestände in Angriff zu nehmen, ist erst von Hermann Heineck, von 1893 bis zu seinem Tode 1930 nebenamtlicher Stadtarchivar, verwirklicht worden. Eine zweckmäßigere Unterbringung des Archivs erfolgte erstmals 1927 mit dem Umzug in ein eigenes Haus Mauerstraße 27, dem ehemaligen Stadtgefängnis.

Heinecks Nachfolger von 1930 - 1934, der pensionierte Seminardirektor Dr. Heinrich Lewin, setzte das Ordnen und Verzeichnen älterer Akten fort. Während der Amtszeit von Dr.-Ing. Friedrich Stolberg 1934-1938 konnte der Band 1 des Nordhäuser Urkundenbuche, bearbeitet von Dr. G. Link, 1936 herausgebracht werden. 1939 folgte der 2. Band mit den Urkunden „von Fürsten, Grafen, Herren und Städten“, bearbeitet durch Dr. G. Meißner. Nach dem Weggang Dr. Stolbergs betreuten Studienrat i. R. Dr. Hans Silberborth (1938-1939) und der emeritierte Gymnasialprofessor Christian Oelmann nur kurze Zeit das Archiv, bis aufgrund des Weltkrieges 1943 jegliche Arbeit zum Erliegen kam. Ein großer Teil der Archivalien wurde aber in bombensichere Tresore der Polizei und der Sparkasse sowie in das etwa 20 km entfernte Dorf Werningerode (heute Steinsee) ausgelagert. Die schweren Luftangriffe vom 3.04. und 4.04.1945 vernichteten das Archivgebäude fast völlig und mit ihm wertvolle Aktenbestände - vor allem jene der reichsstädtischen Zeit - und die Archivbibliothek. Ähnlich erging es den Altregistraturen der Stadtverwaltung bis hin zu Melderegistern usw. Offenbar fielen anschließend auch zahlreiche Archivalien, die in den Tresoren die Zerstörung der Stadt ohne Schaden überstanden hatten, zum großen Teil Plünderern zum Opfer.

Auf Initiative von Dr. H. Silberborth begann 1945 die Wiederherstellung des Archivs. Die Rückführung aller ausgelagerten Archivalien war bis Juni 1946 abgeschlossen. Mit der Sichtung und Neuordnung wurde der ehemalige Studienrat Dr. Hermann Engelhardt beauftragt. Die Überprüfung der Kriegsverluste ergab einen nur minimalen Abgang von etwa einem Dutzend Urkunden. Außerordentlich starke Verluste waren dagegen bei den Akten, sehr große Verluste bei den Amtsbüchern und sonstigen gebundenen Handschriften, Innungsakten und Chroniken zu verzeichnen. Immerhin ist der Umstand günstig zu nennen, dass die meisten der von H. Heineck in seinem Vortrag vom 8.06.1913 vor dem 17. Thüringer Archivtages in Nordhausen angeführten Zimelien den Krieg überstanden hatten: außer gut 2.500 Urkunden auch die Bürgerregister und Privilegienbücher von 1312, die Nordhäuser Statuten (1280, 1308, 1350, 1470), das sogenannte „Mühlhäuser Reichsrechtsbuch“ (13. Jh.), das „Rauhe Buch“ von 1352, der „liber feodalis et censuum perpetuorum ecclesie S. Crucis“ (1330) sowie 12 Bände der ursprünglich 14 Bände „Collectanea Northusana“ (Akten- und Urkundenabschriften) des Dr. Conrad Fromann u.a.m.

1952 wurde die Stelle des Stadtarchivars in eine hauptamtliche umgewandelt. R. H. Walther Müller (1899-1969), ehemaliger Exportkaufmann, Lehrer, Gründer und langjähriger Vorsitzender des Genealogischen Vereins Nordhausen, war seit 1949 nebenamtlich, dann von 1952 - 1961 (bis 1958 auch als Museumsleiter) mit Erfolg bemüht, die Isolierung des Archivs zu überwinden und es neben seiner Funktion für die Verwaltung auch als „historisches Forschungsinstitut“ zu profilieren. 1952 siedelte das Archiv aus den Bodenkammern des „Meyenburg-Museums“ (heutiges Kunsthaus) in zunächst drei Zimmer des restaurierten Alten Rathauses über. Nach R.H. Walter Müllers Ausscheiden 1961 folgte ihm 1963 die frühere Verwaltungsfachfrau und sprachgewandte Kreisarchivarin Frl. Gusta Eggers (1907-1985) als Leiterin des Stadtarchivs bis Ende 1983. 1975 konnte das Archiv dann in das Obergeschoss des „Walkenrieder (Kloster-) Hofes“ in der Waisenstraße übersiedeln, wo es mehr Stellfläche und zeitgemäßere Benutzungsmöglichkeiten erhielt. Seit 1965 unterstützte Frau Lotte Volkwein (1925-2009) Frl. Eggers als Sachbearbeiterin, ab 1973 in Vollzeit. Von 1984 - 1991 leitete sie dann selbst das Archiv. Seit 1988 bis heute ist Archivassistentin Frau Manuela Schmidt im Dienst.

1991 – 2003 hatte der frühere Geschichtslehrer Dr. Peter Kuhlbrodt die Archivleitung inne und profilierte es vor allem im Publikationsbereich durch Quelleneditionen und eine eigene Quartalsschrift. Im Sommer 1997 wurde das Archiv in drei Büroräumen im Hochparterre sowie Magazinräumen im Souterrain/Keller des Neuen Rathauses bzw. einem Außenstandort im Walkenrieder Hof untergebracht. 2004 – 2011 war der ehemalige Geschichtslehrer und engagierte Denkmalpfleger Hans-Jürgen Grönke als Stadtarchivar tätig, der bis heute Vorsitzender des 1991 wiederbegründeten Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins ist.

Bauakten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die zu einem großen Teil die Zerstörungen 1945 überstanden, gehören bisher nur in minimalem Umfang zum Bestand. Sie werden derzeit vom Bauordnungsamt verwaltet. Zwischenarchivgut bzw. archivreife Altregistraturen liegen zu einem großen Teil noch in wenig zweckmäßigen Räumen unter Obhut der Fachämter.