Preface
Nachlass Hugo Lämmerhirt (1885-1944)
Die Hinterlassenschaft stammt von dem Oberlehrer Hugo Lämmerhirt in Leipzig. Er betätigte sich auf den heterogensten Forschungsgebieten, wobei im Vordergrund seine eigene Familiengeschichte gestanden zu haben scheint. Im Zusammenhang damit galt aber sein Interesse lange Jahre dem Musikergeschlecht Bach, zumal in ihm auch Lämmerhirte vertreten sind; die Mutter von Johann Sebastian Bach gehörte zu ihnen.
Seinen schriftstellerischen Nachlass vermachte Hugo Lämmerhirt dem Bachmuseum (Bachhaus) in Eisenach, dessen Verwalter ihn dazu angeregt haben soll.
Wie Kirchenregierungsrat R. Jauernig (in Weimar) mitteilte, ist Lämmerhirt ein recht fleißiger Mann gewesen, der sehr beachtliches, bisher unbekanntes Material zur Bachgeschichte zusammengetragen hat. Seine Veröffentlichung "Bachs Mutter und ihre Söhne" (Bachjahrbuch 1925) sei damals teilweise recht ungünstig beurteilt worden, da sie mehrere vermeidbare Unrichtigkeiten enthielt. Lämmerhirt sei darüber sehr enttäuscht gewesen, habe dann aber Anfang der 1930er Jahre seine Forschung über Bach wieder aufgenommen und nach etwa zehn Jahren ein besseres Manuskript fertiggestellt. Es kam aber nicht zur Veröffentlichung, da es während des zweiten Weltkrieges bei einem Bombenangriff auf Leipzig vernichtet wurde.
Wann der Nachlass in das Bachhaus in Eisenach kam, konnte nicht festgestellt werden. Sicher ist nur, daß er - in Transportbehältern verpackt - dort eingelagert war. Im Jahre 1971 entschloß sich die Leitung des Bachhauses, den Lämmerhirtschen Nachlass wegen Platzmangels aufzulösen und evtl. zu vernichten. Einen dementsprechenden Hinweis erhielt das Stadtarchiv Erfurt und übernahm den für Erfurt relevanten Teil.
Bestandsgeschichtlicher Teil
Am 21. Februar 1972 traf der Nachlass im Stadtarchiv Erfurt ein. Er hatte einen Umfang von 3,20 lfm und bestand aus Büchern, Broschüren, Notizbüchern, Aktendeckeln mit losem Schriftgut, Bündeln aus ungeordneten Schriftverkehr. Spuren einer ehemaligen Ordnung nach Sachbetreffen waren zwar erkennbar, sie boten aber keinen Anhalt, um das alte Ordnungsschema zu rekonstruieren. Der Bestand ist unvollständig, der Umfang der erfolgten Entfremdungen läßt sich nicht feststellen. Größere Teile (ca. 1,6 lfm) konnten ohne Bedenken kassiert werden, da sich in dem Nachlass viel belangloses Material wie Zeitungen, Broschüren, Duplikate usw. befanden, die sich auf allgemeine Tagesfragen und die vielseitigen Interessensgebiete von Hugo Lämmerhirt bezogen. Außerdem wurden Teile
des Nachlasses an zuständige Institutionen abgegeben.
Der Bestand ist nur grob geordnet, für eine Feinordnung fehlte dem Stadtarchiv die notwendige Arbeitszeit. Die Wertigkeit des Bestandes ist sehr unterschiedlich - die vielen Notizen lassen noch Auswertungsmöglichkeiten zu, z. B. für die aus Schlesien zugewanderten Lämmerhirte.
Die Bearbeitung erfolgte neben anderen Arbeiten durch Kollegen Fritz Wiegand und die Archivassistentin Gisela Höhn.
Das Findbuch wurde dann Anfang 1977 fertiggestellt.
Größe des Bestands: 0,50 lfm mit 43 Akteneinheiten
Laufzeit: vorwiegend von 1921 bis 1941
Erfurt, den 15. Februar 1977
Fritz Wiegand, Gisela Höhn