Preface
Fritz Körner
geboren am 8. Juli 1888 in Leipzig
gestorben am 6. April 1955 in Jena
Der Nachlass des Jenaer Glaskünstlers wurde im Jahre 2019 und 2020 von seinem in Berlin lebenden Sohn, Friedrich Körner an das Landeskirchenarchiv Eisenach übergeben.
Neben Entwürfen für ausgeführte oder geplante Glasarbeiten enthält der Nachlass künstlerische Arbeiten aus der Ausbildungszeit. Persönliche und geschäftliche Korrespondenz und Dokumente sowie eine umfangreiche Fotodokumentation ausgeführter Glasarbeiten ergänzen den Bestand.
Künstlerische Ausbildung
Sein Weg zum Glaskünstler war für Fritz Körner weit und voller Umwege: Als Sohn einer Kaufmannsfamilie Leipzig 1888 geboren, studierte er zunächst auf den Wunsch seines Vaters hin Kameralwissenschaften. Gleichzeitig verfolgte er seine künstlerische Ausbildung als Gasthörer an der Vorschule der Königlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Es folgten Studien an der Dresdner Kunstakademie und der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst, Weimar sowie ein längerer Aufenthalt in der Künstlerkolonie Klausen in Südtirol in den Jahren 1913-1914. Seine Ausbildung als Maler wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges unterbrochen. Als Freiwilliger meldete er sich 1915 und kehrte 1918 in sein Elternhaus in Jena zurück.
Fritz Körner arbeitete in dieser Zeit in einer Kunstschmiedewerkstatt in Bad Berka, als anatomischer Zeichner an der Universität und begann in den 20er Jahren eine Lehrtätigkeit an der Jenaer Volkshochschule.
Mitte der zwanziger Jahre beschäftigte er sich mit der Technik der Glasmalerei und erhielt 1929 seinen ersten größeren Auftrag. Diese Glasfenster der Südschule in Jena wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach praktischer Arbeit in einer Dresdner Werkstatt, sowie Studienaufenthalten in Dresden, München und anschließend an der Meisterschule des Handwerks in Köln kehrte er nach Jena zurück und eröffnete mit seiner Frau Grete Körner 1932 ein eigenes Atelier in Jena.
Das Ehepaar Körner entwarf Fenster für private, staatliche und kirchliche Auftraggeber. Eine Vielzahl von Fenstern aus der Mitte der dreißiger Jahre findet sich noch in Kirchen Jenas und Thüringens.
Grete Körner, die aus einer jüdischen Familie stammte, erhielt 1933 Berufsverbot. Nachdem Fritz Körner 1938 eine Scheidung ablehnte, wurde er aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen. Dennoch konnte er im Auftrag verschiedener Architekten weiterhin Glasarbeiten für öffentliche und private Gebäude entwerfen.
Anfang 1945 wurde Grete Körner nach Theresienstadt deportiert, Fritz Körner zu Zwangsarbeit verpflichtet. Ihr 1942 geborener Sohn Friedrich lebte zu dieser Zeit bereits bei einer befreundeten Familie. Im Juli 1945 war die Familie wieder in Jena vereint.
Trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen konnte Fritz Körner in den folgenden Jahren noch beindruckende Werke schaffen: Die Stadtkirche St. Michael, die Friedenskirche und das Jenaer Rathaus.
Jena, den 05.10.2020
Maja Volkgenannt M.A.
Kunsthistorikerin